Phuket War
Dichter Nebel, Schwefel und Schwarzpulver in der Luft und ein Ohren betaeubender Laerm – so zeigte sich gestern Abend Phuket Town. Der letzte Tag des “Vegetarian Festivals” wird traditionell mit viel Feuerwerk und einem Umzug durch die Stadt gefeiert. Soviel wusste ich, bevor ich dort war. Dass ich Mitten im Krieg landen wuerde habe ich mir da noch nicht ausgemalt.
Bevor der Umzug startet beschwoeren sich die Traeger der Geistfiguren mit Meditation und Trance in den chinesischen Tempelanlagen und verlassen so den eigenen Koerper und bringen den Geist in einen “hoeheren@ Zustand. Das scheint mir auch sehr wichtig zu sein, bei dem, was da folgt. Das betendeVolk schaut noch gelassen dem Treiben auf dem Tempelvorhof zu aber auch hier spuert man schon eine gewisse Unruhe aufkommen, je laenger man die Szenerie beobachtet.
Wir verlassen an diesem Punkt aber den Schauplatz und schlendern durch die Strassen, die fuer diesen Event eigentlich vollkommen fuer den Verkehr gesperrt sind – eigentlich. Natuerlich knattern auch hier noch Rollerfahrer durch die Menschenmenge. Die Strassen sind schon rot eingefaerbt von all den Papierresten der Chinaboeller, die hier im Sekundentakt vor, hinter, neben und ueber einem explodieren. Man braucht schon eine gewisse Gelassenehit um nicht bei jedem Knall nervoes um sich zu blicken. Beruhigend ist, dass die meisten Boeller kleineren Kalibers und als ungefaehrlich einzustufen sind. Raketen, die aus der Hand abgefeuert werden, oder gar riesige, selbst gebastelte Boeller sind da schon was anderes.
In jeder Ecke werden nun drei bis vier Meter lange Stangen mit Boellern prapariert, pro Stange sind ca. 1000 Schuss angebracht, die dann auf einmal abgefeuert werden koennen. Wir bewegen uns, wenn man den Ohren traut, mehr und mehr dem Zentrum des Geschehens entgegen und staffieren uns - kaum zu glauben - mit Atemmasken und Ohrenstoepseln aus. So langsam laesst sich auch erahnen, was da in der Ferne vor sich geht.
Am Strassenrand versammeln sich die komplett in weiss gekleideten “Supporters” - also all diejenigen, die die letzten zehn Tage fleischlos, ohne Alkohol und entsprechend all der Regularien gelebt haben und sind schon jetzt fleissig damit beschaeftigt ihr in riesigen Tragetaschen mitgebrachtes Feuerwerk abzuschiessen. Die Luft ist komplett vernebelt, der Laerm trotzt Ohrstoepsel kaum auszuhalten und ab und an merkt man an den Beinen den Schalldruck der riesigen Boeller vorbeiziehen, die auf den Strassen detonieren. Und als ob das noch nicht genug waere tragen die Passanten riesige Raeucherstaebe mit sich, die dem ganzen Schwefelgestank noch einen Hauch von Tempelluft mitgeben.
Der Umzug naehert sich und nun gibt es kein Halten mehr. Die riesigen Stangen mit tausenden von Boellern werden entflammt, die umstehenden werfen ohne auch nur irgendwas zu erkennen palettenweise Boeller in die Strassenmitte und dunkle Rauchschwaden steigen auf. Die Luft ist so dick, dass man sie schneiden kann. Ein Auto mit riesigen Scheinwerfern naehert sich uns und aus den dichten Nebelschwaden wird nun eine Tempelfigur sichtbar, die von ca. 20 Traegern im Scheinwerferlicht getragen wird. Die ehemals weiss gekleidetetn Traeger sind komplett schwarz vom Russ und den Resten der Boeller. Unbeschrieblich, was sich hier vor meinen Augen abspielt, als ob eine Fabrik fuer Feuerwerkskoerper direkt vor mir abbrennen wuerde und die Traeger mit Freude in Mitten der detonierenden Boellern tanzend durch die Menge zieht. Das Fernsehen ist natuerlich live dabei und uebertraegt die Szenerie zumindes landesweit und von forderster Front.
Ich zieh mich nun langsam etwas zurueck, da man diese Luft trotz Atemmaske nicht laenger aushalten kann. Der Umzug als solcher zieht zwei Stunden durch die Strassen und egal wo man sich aufhaelt, staendig explodieren kleinere Feuerwerkskoerper direkt an seinen Fuessen. Spiessrutenlaufen auf thai-chinesisch nehm ich mal an…
Bilder und Videos folgen, das kann man einfach nicht in Worte fassen.
mum says:
Wahnsinn! Kleiner Spaziergang durch die Hölle? Schon diese Bilder lassen eher einen Anschlag vermuten, als einen Umzug und beim Lesen deines “anschaulichen” Berichts ist man versucht, sich die Ohren zuzuhalten.
October 29th, 2009 at 00:28
aunt mary says:
Irrst Du immer noch im Nebel des Vergessens oder hat das Schwarzpulver die Tastatur verklemmt ?
In der westlichen Hemisphäre hat stairway to heaven wieder mal die swr1-Hitparade gewonnen und der weißburgunder bei ansgar war gestern lecker ! Beim Geburtstag Deines Schwagers haben wir auf Deinen baldigen Sitzmöbeln stundenlang schwere Eindrücke hinterlassen ….grübel ?
Genug getextet - gehe jetzt auf standby ..
November 1st, 2009 at 23:33